Der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene CROESUS. Musikalisches Schauspiel. Libretto: Lucas von Bostel. Muziek: Reinhard Keiser. Hamburg, Theater am Gänsemarkt, 1711 / 1730. (Jeroen Fonteyn)

 

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CROESUS: LIBRETTO

 

 

 

 

LUCAS VON BOSTEL

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ATTO I

 

 

 

 

 

 

Scena 1

 

Der Schauplatz stellet vor einen prächtigen Saal und herrlichen Thron. 

 

Croesus auf dem Thron. Orsanes, Eliates, Halimacus und viele andere 

 

lydische Staats- und Kriegsbediente, alle knieend; Solon allein stehend.

1a

coro

ALLE

1

Croesus herrsche, Croesus lebe,

 

daß der Glanz von seinem Glücke

 

macht- und hoheitsstolze Blicke

 

um den ganzen Erdkreis gebe.

1b

recitativo

CROESUS

1

Ihr edlen Lydier, getreue Untertanen,

 

ich hoffe, daß durch eure Tapferkeit

 

ihr mir den Weg nach dieser Zeit

 

zum Götterstande werdet bahnen.

5

Indessen nehm ich gnädigst an

 

die Lieb und Treu, so ich hie spüren kann.

 

    (Winkt, daß sie sich aufrichten sollen, und wendet sich zu Solon.)

 

Nur Solon traurt allein, 

 

und hat der helle Schein

 

von meiner Macht und Herrlichkeit

10

ihn niemals noch erfreut?

SOLON

 

Den glänzenden Kristall

 

zerbricht ein Unglücksfall.

CROESUS

 

Hat Solon nicht gesehn

 

die vielen Kriegesscharen,

15

die mir zu Dienste stehn

 

und meinen Thron bewahren?

SOLON

 

Es können die Ameisen

 

noch viel mehr Scharen weisen.

CROESUS

 

Schau an die reiche Wand,

20

das prächtige Gebäude,

 

bedeckt mit lauter Seide

 

durch kunsterfahrne Hand.

SOLON

 

Ist das denn deine Pracht,

 

die dir ein Würmlein macht?

CROESUS

25

Es zeiget dir mein Reich

 

den Kern von tapfern Leuten,

 

die mir hier stehn zur Seiten.

SOLON

 

Der Tod macht alle gleich.

CROESUS

 

Schau, wie das Gold an meinem Zepter prahlt

30

und mir sein Glanz die Hand bestrahlt.

SOLON

 

Das Gold ist nur ein Raub,

 

der Erde Gruft entführet,

 

die Hand, damit gezieret,

 

ist nichts als Asch' und Staub.

CROESUS

35

Wird alle diese Pracht

 

von dir sogar verlacht,

 

laß meine Schätze sehen!

 

    Die Türen der Schatzkammer werden aufgetan.

 

Schau, Solon, schau, tritt näher hin

 

und sag, ob ich nicht glücklich bin.

40

Schau! SOLON Es ist gnug geschehen!

 

    (siehet nur ein wenig hin und wendet sich alsobald wieder um.)

CROESUS

 

Kann nicht, der das besitzt, glückselig heißen?

SOLON

 

Du irrest weit,

 

meinst du, dies sei Glückseligkeit?

 

Du bist nicht Herr der Schätz und Güter

45

es setzet dich das Glück

 

darüber nur zum Hüter,

 

und kann ein Unglücksblick

 

dir alles wiederum entreißen.

 

    (geht ab.)

CROESUS (vom Throne absteigend)

 

Geh hin mit deinen Lehren,

50

die mir verdrießlich sind zu hören.

1c

aria

CROESUS

1

Prangt die allerschönste Blume

 

nicht mehr mit der Schönheit Ruhme

 

wenn die welken Blätter fließen

 

sollte man die kurze Zeit

5

ihrer schönen Lieblichkeit

 

darum nicht mit Lust genießen?

 

 

 

Scena 2

 

Königlicher Garten. Elmira und Trigesta.

2a

aria

ELMIRA

1

Hoffe noch, gekränktes Herz!

 

Furcht und Schmerz, 

 

warfen mein Vertrauen nieder.

 

Doch die Liebe tröstet mich,

5

tröstet und erhebt mich wieder.

 

Manchmal folgt auf bange Triebe

 

plötzlich wieder Lust und Scherz.

 

Hoffe noch, gekränktes Herz!

2b

recitativo

ELMIRA

1

Du weißt, wie Cyrus' Macht

 

ganz Medien hat überschwommen,

 

die wertste Mutter als verwitt'bte Königin

 

von Reich und Thron gebracht,

5

hier werden wir von Croesus aufgenommen.

 

Prinz Atis gegen mich in keuscher Lieb entzündet,

 

und dies ist der Gewinn,

 

worauf sich meine Hoffnung gründet.

 

Hab ich mein Erbreich dort verloren,

10

so werd ich hier zur Königin erkoren.

TRIGESTA

 

Der Prinz ist wiederum von ihr geliebt?

ELMIRA

 

Du hast es gnug verspüret.

TRIGESTA

 

Wie macht er's, da er stumm, daß er ihr Herze rühret

 

und seine Liebe zu erkennen giebt?

2c

arietta

ELMIRA

1

Empfinden gleiche Schmerzen

 

zwei treu verliebte Herzen,

 

darf es der Sprache nicht;

 

es zeugen gnug die Triebe

5

von ihrer reinen Liebe

 

durch Aug' und Angesicht.

TRIGESTA

 

Ich merke schon die Possen,

 

die Zung' ist zwar verschlossen,

 

doch sind die Lippen frei.

10

Er will mit süssen Küssen

 

ihr g'nug zu sagen wissen,

 

daß er verliebet sei.

2d

recitativo

ELMIRA

1

Halt ein mit deinen Scherzen!

 

Orsanes kommt, der Mehrer meiner Schmerzen.

 

 

 

Scena 3

 

Orsanes, Elmira, Trigesta.

3a

aria

ORSANES

1

Lieben, Leiden, Bitten, Flehen,

 

ist bei dir sogar umsonst,

 

daß ich deiner Widergunst

 

noch nicht einen Blick gesehen.

5

Kann ein Herz von Stahl und Stein

 

bei so großer Schönheit sein?

3b

recitativo

ELMIRA

1

Prinz Atis, wie dir ist bewußt,

 

herrscht nur allein in meiner Brust.

ORSANES

 

Muß meiner Hoffnung Brunst dann so erkalten?

ELMIRA

 

Das Faule schneid't man ab, das Gute zu erhalten.

TRIGESTA

5

Wollt er vergnüget sein mit einer hübschen Alten!

ORSANES

 

Unseliger! daß ich dich lieben muß!

ELMIRA

 

Es ist des Himmels Schluß,

 

ich kann nur einen lieben.

TRIGESTA

 

Es ist mit mir bei einem nie geblieben.

 

    (geht ab.)

 

 

 

Scena 4

 

Halimacus von ferne, Orsanes, Elmira.

4a

recitativo

ORSANES

1

Ist denn ein Stummer liebenswert?

ELMIRA

 

Die Tugend wird geehrt,

 

und nicht der Stimmen Schall.

ORSANES

 

So liebe dann ein hölzern Bild,

5

wo du was Stummes lieben willt.

ELMIRA

 

Liebst du die Stimm, so liebe Echos Widerhall.

ORSANES

 

Was kannst du von ihm hoffen?

 

Die Türen stehn mir offen

 

zu diesem Thron, wann mir's gefällt.

10

Ich habe Freunde, Macht und Geld.

ELMIRA

 

Wer keine Treu besitzt, hat gar nichts in der Welt.

ORSANES

 

Er kann nicht zur Regierung kommen,

 

weil das Gebieten ihm ist mit der Sprach entnommen.

ELMIRA

 

Ein Fürst gebeut durch seiner Diener Mund.

15

Es spricht für ihn Vergeltung bei den Frommen,

 

den Bösen macht die Straf' auch seinen Willen kund.

 

Die stille Gravität steht Großen besser an,

 

weil das Gesetz für sie gnug reden kann.

ORSANES

 

Was will ein Fürst, der nur mit Winken spricht?

ELMIRA

20

Ein treuer Diener merkt den Willen am Gesicht.

ORSANES

 

Wohlan, Halsstarrige, hilft jetzt kein Flehen,

 

ich hoff', es kömmt die Zeit,

 

daß auch du deine Schuldigkeit

 

gehorsamst mir wirst aus den Augen sehen.

 

    (geht ab.)

HALIMACUS (tritt hervor)

25

Ich preise die Beständigkeit,

 

die ich verspür, und bin bereit,

 

bei meinem Prinzen zu erlangen,

 

daß Treu und Untreu soll verdienten Lohn empfangen,

 

Orsanes Schand und Hohn,

30

Elmira Thron und Kron.

ELMIRA

 

Die Treu und Tugend ist für sich gnugsamer Lohn.

4b

aria

HALIMACUS

1

Wahre Treu kann nicht auf Erden

 

bei den Menschen dieser Zeit

 

nach Verdienst belohnet werden;

 

und die seltne Redlichkeit

5

muß man über alles setzen,

 

mehr als Kron' und Zepter schätzen.

 

 

 

Scena 5

 

Atis stumm, Halimacus, Elmira, Nerillus. Atis kommt von weitem

 

mit holdseligen und freudigen Gebärden.

5a

recitativo

HALIMACUS

1

Prinz Atis kommt.

5b

aria

ELMIRA

1

Er erweckt in meinem Herzen

 

durch sein helles Angesicht,

 

neue Freude, neues Licht.

 

Wie von Titans güldnen Kerzen, 

5

wenn der frühe Tag anbricht,

 

durch der stummen Strahlen Macht

 

die betraumte Welt erwacht.

5c

recitativo

 

    Atis zeigt durch Gebärden, daß ihm Halimacus beunruhigt fürkommt.

HALIMACUS

1

Ich merke deinen Sinn,

 

du spürest, daß ich traurig bin.

 

    Atis zeigt, daß er die Ursache wissen wolle.

 

Du fragst, was mir sei widerfahren,

 

zu seiner Zeit will ich dies offenbaren.

5

Ein weiser Arzt wird keinem Schwachen

 

der Krankheit Ursprung kundbar machen,

 

wofern er Sorge trägt,

 

daß sich dadurch die Krankheit mehr erregt.

 

Ich habe dich in deiner Jugend

10

bishero stets nach Wunsch regiert,

 

und hoffe, daß die wahre Tugend,

 

die ich in allen deinen Tun verspürt,

 

wird nimmermehr erkalten,

 

und dich hinfort in steten Glück erhalten.

15

Indessen bleib ich dir getreu in Rat und Tat

 

und bitte lieb Elmir, weil sie's verdienet hat.

 

 

 

Scena 6

 

Atis, Elmira, Nerill.

6a

recitativo

ELMIRA

1

Verliebter Prinz, obgleich dein Mund nicht spricht,

 

so sagt mir doch dein holdes Angesicht,

 

daß deine Brust von Lieb' entzündet

 

bei mir Vergnügung findet.

6b

aria

ELMIRA

1

Sobald dich nur mein Auge sah,

 

empfand ich Liebespein.

 

Und du desgleichen, sag mir?

 

    Atis winkt ja

 

liebst auch kein andre?

 

    Atis winkt nein

5

So wohn ich dir im Herzen?

 

    winkt zu

 

und sonst kein andre?

6c

recitativo

ELMIRA

1

Was zeigt der Prinz, geliebter Knabe?

NERILL

 

Weil aus Gewohnheit ich erlernet habe,

 

durch Winken zu verstehen sein Begehren,

 

so will er, daß ich dir sein Herze soll erklären.

6d

ritornello

 

    Atis macht unterschiedliche Bewegungen auf die Weise folgender Aria,

 

    welche indessen gespielet wird.

6e

recitativo

ELMIRA

1

Was hast du jetzt gesehen?

NERILL

 

So ist es zu verstehn:

6d

aria

NERILL

1

Durch der Haare güldne Stricke

 

ist ans Herz ein Band gelegt.

 

Durch der Augen holde Blicke

 

ist die Brust in Brand erregt.

5

Dennoch leb ich höchst vergnügt

 

und begehre kein Erretten

 

aus den güldnen Band' und Ketten

 

dran mein Herz in Flammen liegt.

 

    Atis bekräftigt dieses mit Gebärden.

6f

recitativo

ELMIRA

1

Die dich bestrickt,

 

ist selbst nicht frei

 

und hält sich höchst beglückt

 

in ihrer Sklaverei.

 

 

 

Scena 7

 

Elcius und Vorige.

7a

recitativo

ELCIUS

1

Der König will euch gerne sprechen,

 

wo ihr der Courtesie ein wenig ab könnt brechen.

 

    Atis zeigt, daß er scheiden müsse.

7b

aria a due

ELMIRA

1

Du mußt scheiden, doch indessen

 

eh du scheidest, gib Gehör.

 

Wilt du meiner auch vergessen?

NERILL

 

Nein, nein, sagt er, nimmermehr.

ELMIRA

5

Wirst du einer andern können,

 

wann's gleich eine Göttin wär,

 

Hoffnung deiner Liebe gönnen?

NERILL

 

Nein, nein, sagt er, nimmermehr.

 

    Atis und Elmira gehen ab.

 

    Elcius erhascht Nerill und hält ihm, daß er folgenden Satz mit ihm singe.

ELCIUS

 

Sag, mein Magen, sag indessen,

10

plagt dich Durst und Hunger sehr?

 

Willst du wohl ein Brätlein essen?

NERILL

 

Ja, ja, sagt er, noch viel mehr.

ELCIUS

 

Wirst du einem Stübchen können,

 

wenn's gleich guter Rheinwein wär,

15

Herberg willig in dir gönnen?

NERILL

 

Ja, ja, sagt er, noch viel mehr.

7c

recitativo

ELCIUS

1

Ha, bon Garçon, der Baurenhäuter

 

weiß recht hauptsächlich meinen Sinn,

 

daß ich ein guter Schlucker bin

 

und tausendmal gescheuter

5

als mein Herr Atis ist.

 

Der Wurm ist von der Liebe so besessen,

 

daß er dafür das Trinken und das Essen

 

fast ganz und gar vergißt.

 

Man wird durch andrer Schaden klug,

10

drum bin ich sicher gnug,

 

daß Liebe nicht bei mir kann hausen.

 

Ich halte gar zu viel vom Schmausen.

 

 

 

Scena 8

 

Orsanes, Eliates.

8

aria a due

ELIAT./ORSAN.

1

Ich sä' auf wilde Wellen,

 

ich bau' auf dürren Sand.

ELIATES

 

So wird das Unglücksband

 

im Lieben uns gesellen

5

durch steten Widerstand.

ELIAT./ORSAN.

Ich sä' auf wilde Wellen,

 

ich bau' auf dürren Sand.

 

 

 

Scena 9

 

Elmira, Clerida von ferne, Orsanes, Eliates.

9a

aria a due

 

    (Kommen von Ferne singend)

CLERIDA

1

Blindes Feu'r, das mich verzehret,

 

brenn, ach brenne doch nicht mehr.

 

Ich empfinde nur Betrüben

 

in dem unvergnügten Lieben.

ELMIRA

5

Liebesfeu'r, das mich verzehret,

 

brenn, ach brenn noch eins so sehr.

 

Ich empfinde kein Betrüben

 

in dem höchst vergnügten Lieben.

9b

aria a due

ELIATES

1

Clerida, du hältst gefangen

 

mein von Liebe mattes Herz.

 

Soll ich keinen Trost erlangen?

CLERIDA

 

Ich kann nicht. ELIATES O herber Schmerz!

CLERIDA

5

Schau, Orsan, mein treues Lieben,

 

schau, und gib verdienten Lohn.

 

Willst du kein' Erkenntnis üben.

ORSANES

 

Ich kann nicht. CLERIDA O großer Hohn!

ORSANES

 

Laß dich doch, Elmir, erweichen,

10

da ich bitte, seufz und fleh.

 

Soll ich dann für Lieb erbleichen?

ELMIRA

 

Ich kann nicht! ORSANES Ach, ich vergeh!

CLERIDA/ELIATES/ORSANES

 

Lieb, ich merke dein Betören,

 

alle Hoffnung ist nun fort,

15

da ich muß das Urteil hören:

 

ich kann nicht, Verzweiflung-Wort!

 

 

 

Scena 10

 

Atis, Elcius, Vorige. Atis zeigt sich traurig.

10a

aria

ELMIRA

1

Traure nicht, traure nicht,

 

meiner Seelen Lust und Wonne,

 

was benebelt dein Gesicht,

 

traure nicht, traure nicht!

5

Laß mir glänzen meine Sonne,

 

deiner Augen Freudenlicht!

 

Traure nicht, traure nicht!

10b

recitativo

 

    Atis zeigt indessen seine Ungeduld, daß er nicht reden kann.

ELCIUS

1

Wo ich bei diesen Fackeln

 

des Nachtes sehen muß,

 

so wird mein trunkner Fuß

 

im Dunkeln greulich wackeln.

10a

aria: la stanza seconda e terza

1

Klage nicht! Klage nicht!

 

Mich vergnügt dein treues Herze,

 

ob die Zunge gleich nicht spricht.

 

Klage nicht! Klage nicht!

5

Es ersetzt der Augen Kerze,

 

was dem stummen Mund gebricht.

 

Klage nicht! Klage nicht!

 

    Elmira will abtreten. Atis hält sie und zeigt, daß er sich einiger

 

    Unbeständigkeit befürchte.

 

Fürchte nicht! Fürchte nicht!

 

Sei versichert, mein Erreter,

10

meiner stets getreuen Pflicht.

 

Fürchte nicht! Fürchte nicht!

 

Hat man doch für stumme Götter,

 

Dienst und Opfer angericht't.

 

Fürchte nicht! Fürchte nicht!

 

    Atis und Elmira treten ab.

10c

recitativo

ORSANES

1

Orsanes, mußt du denn dem stummen Atis weichen?

CLERIDA

 

Ist meine Schönheit nicht Elmiren zu vergleichen?

ELIATES

 

Und kann ich, was Orsan verachtet, nicht erreichen?

CLERIDA/ELIATES/ORSANES

 

Muß denn die schwere Liebespein

5

noch durch Verspottung schwerer sein?

 

 

 

Scena 11

 

Elcius.

11a

recitativo

ELCIUS

1

Hört, wie die Eulen

 

für lauter Liebe heulen.

 

Pfui Teufel, steht das wohl,

 

daß sich ein Kavalier

5

mit Federn und Rapier,

 

der nur von Hauen, Stechen,

 

Erschießen, Hälsebrechen

 

zu sagen wissen soll,

 

von Venus' kleinem Hurensohn,

10

dem Bärenhäuter, Erzkujon,

 

so lässet tribulieren,

 

daß er da in Figur,

 

wie eine alte Hur',

 

den Jammerton muß instuieren.

15

Ich hätte zehnmal lieber

 

ein starkes Ochsenfieber,

 

als daß ich an der Narren Seil

 

mit führte Liebesaffen feil,

 

viva le trink

20

Cappo, das ist ein schönes Ding

 

und steht mir besser an,

 

wenn ich bei einem guten Wein

 

ein Liedlein singen kann.

11b

aria

ELCIUS

1

Liebesschmerzen

 

geschlossener Herzen,

 

ei, wie macht ihr die Leute so toll!

 

Mir gibt edler Saft rheinischer Reben

5

ein lustiges Leben,

 

drum sauf ich mich voll.

 

 

 

Scena 12

 

Königliches Zimmer. Croesus, Orsanes, Eliates und viele Kriegsbediente.

12

recitativo

CROESUS

1

Darf Cyrus dann den Frieden brechen?

 

und ist ihm nicht bekannt,

 

daß meine nie verzagte Hand

 

das Höhnen und das Unrecht weiß zu rächen?

ELIATES

5

Sein Volk ist in dem Krieg erfahren,

 

und mehr als unsre Scharen,

 

des Siegens längst gewohnt.

CROESUS

 

Wir haben ihrer doch bei Babel nicht verschont,

 

an Mut und Macht soll mir's nicht fehlen,

10

wenn nur das Glück will unsre Seite wählen.

 

 

 

Scena 13

 

Halimacus und Vorige.

13

recitativo

HALIMACUS

1

Es ist der Feind im Finstern dieser Nacht

 

so nah heran gerückt,

 

daß man ihn schon in Ordnung zu der Schlacht

 

von unsres Lagers Wällen hat erblickt;

5

ganz Sardis ist empört

 

und merkt man, daß die Furcht sich bei jedem vermehrt.

CROESUS

 

Ist Er so kühn und hat er Lust zum Schlagen

 

wohlan, wir wollen wagen

 

und seinen Frevel nach Verdienste strafen.

10

Geschwind, gebt Helm und Waffen!

HALIMACUS

 

Der königliche Prinz wird mit mir nicht verweilen,

 

dem Herren Vater nachzueilen,

 

sein tapfrer Arm ersetzt des Munds Gebrechen,

 

wann man ihn sieht mit seinem Schwerte sprechen.

CROESUS

15

Ihr, die ihr Ehr und Ruhm verlanget zu erwerben,

 

folgt meinem kühnen Mut,

 

mein purpurreiches Kleid will ich noch röter färben

 

durch unsrer Feinde Blut.

 

Du aber, Eliat,

20

verbleib, du sollst an meiner Statt,

 

so lang ich diesen Krieg muß führen,

 

mein Reich und diese Stadt regieren.

 

    Eliates neigt sich und empfängt den Regierungsstab.

 

 

 

Scena 14

 

Orsanes, Clerida.

14a

recitativo

ORSANES (in tiefen Gedanken)

1

Muß ich in meinem Herzen,

 

auch diesen Hohn verschmerzen,

 

daß Eliates mir wird vorgezogen

 

zu solcher Ehr', so ist's um mich getan,

5

mein Ehrsucht ist betrogen,

 

mein Lieben wird verschmäht, was fängst du an, Orsan?

 

Der König geht dem Feind entgegen,

 

Prinz Atis folgt, Halimacus ingleichen.

 

Vielleicht zeigt dir das Glück die Stund und das Vermögen,

10

was du schon längst gehofft, anjetzo zu erreichen.

 

Ich sehe Clerida, mein Unmut leidet nicht,

 

ihr Klagen jetzo anzuhören.

 

(geht ab.)

CLERIDA

 

Bleib nur, ich will dich nicht verstören,

 

Grausamer, ach, du fliehest mein Gesicht.

14b

aria

CLERIDA

1

Liebe, treibst du denn nur Spiel

 

mit verliebten Plagen?

 

Deiner Martern sind zuviel,

 

wer kann sie ertragen?

 

 

 

Scena 15

 

Elcius, närrisch gewaffnet von vier Harlekinen begleitet, die seiner spotten.

15a

recitativo

ELCIUS

1

Seht, wie die elementschen Affen

 

sich kitzeln über meine Waffen!

 

Wie seid ihr närrisch oder voll,

 

ich gläub, ihr werdet toll,

5

wann's länger währt, es wird nicht taugen,

 

ich schieß euch in die Augen

 

Ho? So soll's anders stinken,

 

was laßt ihr euch bedünken?

 

Ich merke wohl, beim Schlapperment,

10

daß ihr mich noch nicht kennt,

 

und wißt nicht, daß ich führ,

 

den Caractèr von Offizier.

 

Den Persern, den Canaille,

 

mag nur für meine Fäuste grausen,

15

wie werd ich ihre Pelze lausen,

 

à la Bataille, à la Bataille.

15b

aria

ELCIUS

1

Das Blinkern und Flinkern und Klinkern der Waffen,

 

kann Schrecken erwecken nur Gecken und Affen,

 

wer spüret und führet ein männliches Herz,

 

wird kriegen und siegen mit Lachen und Scherz.

15c

entrée von harlekinen

 

 

 

Scena 16

 

Der Schauplatz zeigt im Vorderteil Cyrus' und von weitem Croesus' Lager.

16a

aria

CYRUS

1

Laß ich meine siegenden Waffen nur sehen,

 

die Fahnen nur wehen,

 

erzittern, erschüttern, erbleichen, entweichen

 

die meine Macht dürften verschmähen,

5

ich führe das flüchtige Glück

 

gefangen am Strick.

16b

recitativo

CYRUS

1

Ihr Helden, folget dann, die Stund ist nun gekommen,

 

da jeder seine Treu und Tugend lässet sehn;

 

der Feind, von Müßiggang und Wollust eingenommen,

 

wird unsrer Tapferkeit nicht können widerstehn;

5

wir dürfen sicher sein, daß er muß unterliegen,

 

und für uns eines ist das Kämpfen und das Siegen.

 

    Die Trompeten und Trommeln lassen sich von beiden Seiten hören.

CROESUS

 

Frisch auf, uns ruft von weitem der frohe Kriegesschall,

 

ein jeder gebe dann den Tapfern Widerhall,

 

zum Waffen, zum Streiten!

CHORUS [beider Armeen]

10

Zum Waffen, zum Streite!

 

    Darauf folgt die Schlacht, worin zuletzt die Perser obsiegen und

 

    die Lydier die Flucht nehmen.

16c

ballett von persischen soldaten

 

 

 

Scena 17

 

Croesus flüchtig ohne königliche Kleidung, ein persischer Hauptmann mit

 

Soldaten, folgends Atis und Halimacus.

17

recitativo

CROESUS

1

Der Perser Schwert und Pfeile

 

sind Blitz und Donnerkeile,

 

da keine Macht kann widerstehn.

 

Es ist nunmehr um mich und dieses Reich geschehn,

5

ich muß nur in der Flucht mein Heil versuchen.

 

Ihr Götter, Sterne, Glück, sollt' ich euch nicht verfluchen.

HAUPTMANN

 

Ein Lydier! stirb, stirb! ATIS Es ist der König, halt,

ATIS

 

erschlag ihn nicht!

HALIMACUS

 

Ach welch Entsetzen!

10

wie! Atis spricht?

HAUPTMANN

 

Der König? welch Ergötzen!

 

so ist er dann in unserer Gewalt!

 

    (Führen ihn gefangen hinweg!)

ATIS

 

Ach, ich erstick' im Blut!

 

    (Wirft häufig Blut aus.)

HALIMACUS

 

Wir müssen eiligst nur die Flucht ergreifen,

15

weil's hier nicht sicher ist für unsrer Feinde Streifen.

ATIS

 

Wie kränkt es meinen Mut,

 

daß ich den Vater muß

 

gefangen hinterlassen.

HALIMACUS

 

So will's des Himmels Schluß,

20

darum ist nur Geduld zu fassen.

ATIS

 

Mich Unglückseligen,

 

da mein gefangner Mund der Bürde wird befreit,

 

führt man den Vater hin in Band' und Dienstbarkeit.

 

 

 

Scena 18

 

Man sieht von weitem der Lydier verheertes Lager, und das Feld von

 

Erschlagenen bedeckt. Cyrus zu Pferde, umgeben von seinen Hauptleuten,

 

und gefolgt von Soldaten und vielen gefangenen Lydiern, triumphierend

 

unter fröhlichem Trompeten- und Pauken-Schalle.

18a

ritornello ed aria

CYRUS

1

So jauchzet mein fröhlicher Mut!

 

So führ ich die siegenden Zeichen

 

auf Hügel von Leichen

 

durch Ströme von Blut.

 

    Ritornello mit Trompeten und Pauken. Croesus wird in Ketten herzu geführt.

18b

recitativo

HAUPTMANN

1

Hier ist die reichste Beute, 

 

die wir in diesem Streite

 

verhofften zu erlangen,

 

wir führen Croesus selbst gefangen.

CYRUS

5

O unverhoffte Freude!

 

So hat dich, Croesus, dann die Abgrundsgruft verschlungen,

 

die du gegraben hast,

 

und drückt dich selbst die Last

 

vom stolzen Hohngebäude,

10

das du hast aufgeführt.

 

Was Rasen kam dich an,

 

daß du nach Unglück selbst gerungen,

 

wie ganz Assyrien gerebelliert?

 

Du hast sie wider mich erreget

15

und bist, wie sie, aufs Haupt erleget,

 

mir durch die Flucht entsprungen;

 

jetzt kommt und folgt dir näher nach

 

mein und der Götter Rach'!

CROESUS

 

Ich muß den Göttern weichen.

CYRUS

20

Den Göttern und auch mir ingleichen.

CROESUS

 

Nicht dir, nur deinem Glücke.

CYRUS

 

Schau deine Band und Stricke.

CROESUS

 

Ich bin ein König. CYRUS Ja,

CYRUS

 

dennoch mein Feind,

25

der es mit mir nicht redlich hat gemeint.

CROESUS

 

Der stolze Hochmut nimmt dich ein,

 

halt Kön'ge königlich, willst du ein König sein.

CYRUS

 

Der Himmel machet mich zum Überwinder.

CROESUS

 

Willst du im Glück so hoch den Bogen spannen,

30

machst du dich selber zum Tyrannen.

CYRUS

 

Sklav', rede was gelinder;

 

weg! führet ihn hinein!

CROESUS

 

Halt Kön'ge königlich, willst du ein König sein.

18c

ritornello ancora

 

 

 

 

 

 

 

 

ATTO II

 

 

 

 

 

 

Scena 1

1a

ritornello

 

Bauren-Hütten. Ein Bauer, eine Bäuerin, zwei Baurenkinder, zweene Bauern,

 

welche auf Schalmeien und Sackpfeifen spielen.

1b

aria a due

 

I.

BÄUERIN/BAUER

Kleine Vöglein, die ihr springet,

 

zwitschert, singet

 

auf den Sträuchen hie und da,

 

    Die Kinder wiederholen.

 

fliehet für des Voglers Pfeifen,

5

euch zu greifen,

 

zu beschleichen ist er nah.

 

II.

 

Zarte Hinden, die ihr graset,

 

scherzet, raset

 

in den Gründen hie und da,

10

flieht, der Jäger, euch zu hetzen,

 

ist mit Netzen,

 

Strick und Winden gar zu nah.

 

 

 

Scena 2

 

Atis, Halimacus, Vorige, welche in ihrer Arbeit dieser nicht Gewahr werden.

2a

recitativo

ATIS

1

Orsanes treulos? HALIMACUS Ja, und wie ein Strick

HALIMACUS

 

nicht wird von einem Garn gemacht,

 

so fürcht' ich, daß er schon durch lose Tück'

 

auf seine Seit' auch andre mehr gebracht.

ATIS

5

Untreue Diener -- 

 

das Heer geschlagen --

 

der König selbst gefangen --

 

ach Himmel, mußt' ich nur die Sprach erlangen,

 

mein Unglück zu beklagen?

HALIMACUS

10

Des Königs Freiheit muß man kaufen

 

und die zerstreuten Scharen 

 

nach Möglichkeit zusammenführen.

 

Das meiste ist noch zu befahren,

 

von dem treulosen Haufen,

15

die mit Orsan geneigt zum Rebellieren.

 

Indessen halt' ich Nutz zu sein,

 

damit der Aufruhr nicht durch deine Sprach' erwache,

 

der jetzt noch schläft in Sicherheit,

 

daß man die Wohltat noch zur Zeit

20

nicht kundbar mache,

 

die du vom Himmel hast genossen,

 

daß dir der stumme Mund erschlossen.

ATIS

 

Soll ich die Gnad' undankbar dann verschweigen,

 

so mir die Götter zeigen?

HALIMACUS

25

Du kannst die Dankbarkeit in stillen Herzen hegen,

 

bis sich der Sturm des Aufruhrs erst wird legen.

ATIS

 

Meinst du, daß Atis schweigen kann,

 

um nicht Elmir die Zeitung selbst zu bringen,

 

daß ihn der Himmel so beglücket hat?

HALIMACUS

30

Vernunft muß diesen Liebestrieb bezwingen.

ATIS

 

Mir fället etwas ein,

 

weil ich hier Landvolk sehe.

HALIMACUS

 

Sag an, was soll es sein?

ATIS

 

Ich will mich selbst verhüllen

35

in schlechte Baurentracht

 

und sagen, daß ich armer Knabe

 

von Atis sei gefangen,

 

der mich Elmiren schick' zur Gabe,

 

weil die Natur mich ihm so gleich gemacht,

40

es wird die Sprache den Betrug erfüllen,

 

ich unbekannt dadurch erlangen,

 

Elmir zu sehn, und kann daneben

 

auf der Rebellen Händel Achtung geben.

 

    (Wenden sich zu den Bauren, die erschrecken.)

HALIMACUS

 

Glück zu, ihr lieben Leut!

BAUER

45

Habt Dank, ihr Gnaden.

HALIMACUS

 

Ihr dürft euch nicht entsetzen,

 

wir wollen euch nicht schaden,

 

wir suchen nur ein schlechtes Baurenkleid

 

zu tauschen mit den reichen Schätzen,

50

die ihr an diesem Kleide spüret.

BAUER

 

Wir tun, was uns gebühret.

 

    (Gehen mit den Alten in die Baurenhütte.)

 

 

 

Scena 3

 

Elcius in possierlicher persischer Kleidung. Baurenkinder.

3a

recitativo

ELCIUS

1

Seht, wie Herr Elcius

 

ist ein Politikus

 

und hängt, um sein Gelück zu schaffen,

 

den Mantel nach dem Winde,  

5

da alles leider

 

ging übern Haufen

 

und jeder fiel an's Laufen,

 

war ich geschwinde

 

und stahl mir diese Kleider

10

von einem toten Affen,

 

dadurch ist Elcius gemetamorphorosiert,

 

daß er vor einen Perser jetzt passiert.

 

    (Wird der Baurenkinder gewahr.)

 

Was mach, ihr lieben Kinder,

 

darf wohl ein armer Schinder

15

bei euch die matten Glieder

 

zur Ruhe legen nieder?

BAURENKIND

 

Willst du dich zu uns setzen,

 

so wollen wir in deiner Ruh

 

mit einem Liedlein dich ergötzen.

ELCIUS

20

Tut das! Ich höre zu.

3b

aria ed ritornello

 

I.

BAURENKIND

1

Mein Kätchen ist ein Mädchen,

 

der jede weichen muß,

 

wenn ich sie bei den Schafen

 

oft finde ruhig schlafen,

5

geb' ich ihr manchen Kuß.

 

Mein Kätchen ist ein Mädchen,

 

der jede weichen muß,

 

II.

 

Das Kindchen hat ein Mündchen

 

so süß wie eine Nuß,

10

wenn man das Mündchen lecket,

 

so schmecket, ach, so schmecket

 

wie Zucker jeder Kuß.

 

Das Kindchen hat ein Mündchen

 

so süß wie eine Nuß,

 

III.

15

Es prangen ihre Wangen

 

in Schönheit Überfluß,

 

die geilen Lüftlein spielen,

 

dran ihre Brunst zu kühlen

 

und rauben manchen Kuß.

20

Es prangen ihre Wangen

 

in Schönheit Überfluß,

 

    Elcius singt zuletzt mit und tanzt.

3c

recitativo

ELCIUS

1

Ich sollte schier mein Unglück ganz vergessen,

 

da doch der leere Magen

 

den Hunger nicht mehr kann ertragen,

 

weil ich den ganzen Tag noch nicht gegessen,

5

was fang' ich armer Teufel an,

 

wo ich das Brot nicht betteln kann,

 

so muß ich wohl von Hunger sterben,

 

sonst weiß ich nichtes zu erwerben.

3d

ballett von bauern und bauernkindern

 

 

 

Scena 4

 

Königlicher Vorhof mit einem Fischteiche. Clerida, Elmira.

4

aria a due

ELMIRA

1

Freundliche Liebe, wie freust du mein Herz!

 

    Elmira setzt sich zu fischen mit einer Angel.

 

Ferne von Leiden

 

leb' ich in Freuden,

 

Lachen und Scherz.

CLERIDA

5

Feindliche Liebe, wie quälst du mein Herz!

 

Ich muß ertragen

 

tödliche Plagen,

 

Eifer und Schmerz.

 

 

 

Scena 5

 

Orsanes, Clerida, Elmira, die fischt.

5a

recitativo

CLERIDA

1

Kann meine Treu Orsanen nicht bewegen?

ORSANES

 

Ich komm hier um Elmir, nicht deinetwegen.

 

    Wendet sich zu Elmira.

5b

aria

1

Mein Elmir, 

 

meine Wonne,

 

mein Elmir, 

 

meine Sonne,

5

meiner Seelen 

 

Freud' und Wonne,

 

ist bei dir 

 

für mich Armen

 

kein Erbarmen?

5c

recitativo

CLERIDA

1

Nimm Clerida und laß Elmir.

ORSANES

 

Ich rede nichts mit dir!

5d

aria

 

    Elmira fährt fort im Fischen, sich stellend, als höre sie Orsanes nicht.

ELMIRA

1

Ihr stummen Fische seid

 

dem gleich, den ich muß lieben,

 

der ist auch stumm geblieben.

 

Doch merkt den Unterschied:

5

ihr liebt in kalter Flut,

 

er stets in heißer Glut.

5e

recitativo

ORSANES

1

Du stellest dich, als hörst du nicht,

 

wie! oder meinest du, es werde sich gebühren,

 

weil Atis' stummer Mund nicht spricht,

 

daß du mußt dein Gehör verlieren?

ELMIRA

5

Schau Clerida, die dir schon Antwort gibet.

ORSANES

 

Ich rede nicht mit ihr.

ELMIRA

 

Ich höre nicht nach dir.

CLERIDA

 

Lieb' doch, Orsanes, die dich liebet.

EMIRA

 

Sie ist ja mehr als liebenswert,

10

und ich bin dir vom Himmel nicht beschert.

ORSANES

 

Werd ich so hart betrübet?

ELMIRA/CLERIDA

Lieb' doch, Orsanes, die dich liebet.

 

    Orsanes und Elmira treten ab.

5f

aria

1

Soll dann so großer Hohn

 

sein meiner Liebe Lohn?

 

Ach Clerida, bestreite

 

die blinde Liebesmacht

5

damit Vernunft dich leite